Geschichte des Löschbezirks Fischbach

1888 – 2005: Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Quierschied –
Löschbezirk Fischbach-Camphausen
Nun fast 120 Jahre Freiwillige Feuerwehr in Fischbach-Camphausen, das sind
mehrere Generationen von Bürgern im ehrenamtlichen Dienst für die Allgemeinheit.
Diese lange Zeit rechtfertigt gewiss einen Rückblick in die Geschichte der Wehr, die
zudem auch noch die älteste Wehr in der Gemeinde Quierschied ist.
Im Jahre 1888 wurde die Freiwillige Feuerwehr Fischbach durch den damaligen
Revierförster Ernst Haag ins Leben gerufen. Fischbach war damals ein kleiner Ort
mit 175 Haushalten und 885 Einwohnern. Der größte Teil seiner Fläche war mit Wald
bedeckt, was vermuten lässt, dass Ernst Haag aufgrund von Waldbränden die Idee
einer Feuerwehr in die Tat umsetzte. Die genauen Motive zur Gründung der
Feuerwehr, sowie das exakte Gründungsdatum sind leider nicht bekannt.
Schnell versammelte sich in den nächsten Jahren eine größere Schar von Männern
um Revierförster Ernst Haag, so dass man den Feuerwehrdienst durch eine Satzung
organisieren musste. In der Wirtschaft Minnich wurde am 9. Februar 1890 die erste
Satzung aufgestellt, die 41 Mitglieder mit ihrer Unterschrift anerkannten. In dieser
Versammlung wurde gleichzeitig für die Dauer von 5 Jahren ein Verwaltungsrat, ein
Disziplinarrat und ein Kassierer gewählt. Mitglieder des Verwaltungsrates waren:
Ernst Haag als Oberbrandmeister, Josef Klein als Brandmeister, Albert Fiedler als
Zeugmeister und Mathias Bell als Kassierer. Dem Disziplinarrat gehörten Jakob
Ehrlich, Thomas Quirin und Jakob Holzmann an.
Am gleichen Tag wurde auch noch eine Feuerwehrkapelle gegründet, deren
personeller Kern aus Nikolaus Minnich und seinen 4 Söhnen Jakob, Georg, Johann
und Ludwig bestand.
Bis zu seiner Versetzung im Jahre 1892 leitet Ernst Haag die Fischbacher
Feuerwehr. Dann übernahm das Verwaltungsratsmitglied Josef Klein diese Aufgabe.
Von 1918 bis 1923 lag die Wehrführung in den Händen von Julius Jung. Ihm folgte
bis 1928 Georg Ehrlich. Von 1928 bis 1932 übernahm wieder Josef Klein die
Fischbacher Feuerwehr. Bei seinem endgültigen Abschied als Ehrenoberbrandmeister
erhielt er als besondere Anerkennung für seine geleistete Arbeit ein
Ehrenbeil und ein Bild der Wehr. Von 1932 bis 1945, also während der Zeit des
Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges, führte Josef Stragand die Wehr.
Da die Feuerwehrangehörigen größtenteils vom Militärdienst befreit waren und der
damalige Ortsgruppenleiter ziemlich tolerant war, verlief auch diese schlimme Zeit für
die Fischbacher Feuerwehr recht gut. Julius Jung wurde von 1945 bis 1948 wieder
Wehrführer in Fischbach. Ihm folgte bis 1961 Ludwig Schmidt. Als dieser dann mit 60 Jahren in die Altersabteilung trat, wurde Heinz Schmidt zum neuen Wehrführer gewählt. In dessen Amtszeit fällt auch die Gründung der Patenschaft mit der lothringischen Feuerwehr aus Phalsbourg, die heute immer noch besteht. Nach dem beruflichen bedingten Ausscheiden von Heinz Schmidt im Jahre 1971 übernahm Gerhard Schmidt die Führung der Freiwilligen Feuerwehr in Fischbach. Am 31. Dezember 1986 musste Gerhard Schmidt aus Altersgründen zurücktreten. Wegen seiner Verdienste für die Feuerwehr wurde Oberbrandmeister Gerhard Schmidt zum Ehrenlöschbezirksführer ernannte.

Von 1987 bis 2001 lag die Leitung der Fischbacher Feuerwehr bei Oberbrandmeister Helmut Koch. Im Jahre 2001 übernahm Oberbrandmeister Michael Schmidt die Leitung des Löschbezirkes Fischbach Camphausen. Ihm folgte 2011 Brandmeister Ralf Schmidt, der dann in Jahre 2012 durch Oberbrandmeister Michael Schommer abgelöst wurde.

Auch organisatorisch hat sich in der Freiwilligen Feuerwehr seit ihrer Gründung einiges geändert. Im Jahre 1935 schlossen sich die Wehren von Fischbach, Quierschied und Göttelborn zur Amtswehr Quierschied zusammen, wobei jedoch jede Wehr ihre Selbständigkeit beibehielt. Erst im Zuge der Gebietsreform von 1974 verlor die Freiwillige Feuerwehr Fischbach ihren Status als selbständige Wehr. Seit dieser Zeit besteht sie im Rahmen der Freiwilligen Feuerwehr Quierschied als Löschbezirk Fischbach-‚Camphausen.
Sowie sich vieles im Zeitalter der Industrialisierung geändert hat, änderte sich auch vieles bei der Ausrüstung der Feuerwehr. Löschwassereimer, Handkarren, Handpumpen und Leiterwagen sind verschwunden; moderne Löschfahrzeuge sind an ihre Stelle getreten. Feuersirenen und Funkmeldeempfänger ersetzten den Hornisten.
1954 erhielt die Fischbacher Wehr erstmals ein Löschgruppenfahrzeug vom Typ LF 8 auf einem Citrön Fahrgestell. Diese Fahrzeug wurde 1963 durch ein
Löschgruppenfahrzeug vom Typ LF 16 auf Magirus Fahrgestell abgelöst. Dieses neue Fahrzeug verfügte neben der feuerwehrtechnischen Beladung zusätzlich über einen Wassertank mit 800 Litern Löschwasser und einer Schnellangriffsvorrichtung. Bis zur Herstellung der Wasserversorgung aus dem öffentlichen Leitungsnetz beziehungsweise aus einem fließenden Gewässer, konnte mit dem mitgeführten Wasser der erste Löschangriff vorgetragen werden. Im Jahre 1982 wurde zusätzlich ein Tragkraftspritzenfahrzeug TSF auf Ford Fahrgestell in Fischbach stationiert. 1988, einige Wochen nach dem 100jährigen Jubiläum erhielt der Löschbezirk Fischbach als Ersatz für das alt gediente LF 16 Magirus, einen neuen LF 16, auf Mercedes Benz Fahrgestell, mit einem Wassertank von 1200 Litern. 1998 kaufte die Gemeinde bei der Deutschen Bahn ein gebrauchtes LF 16, auf Magirus Fahrgestell für den Löschbezirk Fischbach. Nun waren hier 2 LF 16 und 1 TSF stationiert. Im Jahre 2000 wurde das TSF, Ford, durch einen neues TSF auf Opel Fahrgestell ersetzt. Für das Jahr 2006 ist die Stationierung eines LF 20/16 in Fischbach vorgesehen. Diese Fahrzeug wird zum größten Teil von der Saar Energie bezuschusst und soll vorwiegend auch dort im Bereich nachbarlicher Hilfeleistung eingesetzt werden. Gleichzeitig wurde 2005 das LF 16, Magirus ausgemustert. Die Firma Schwäble, die den Auftrag für das neue Fahrzeug bekommen hat, stellte dem Löschbezirk 2005 1 TLF 24/50, auf Magirus Fahrgestell, zur Verfügung, bis das neue Fahrzeug ausgeliefert wird.
Leider erwies sich das Abkommen mit der Firma Schwäble als Fehlinvestition. Kurz vor Fertigstellung des Fahrzeuges meldete die Firma Insolvenz an. Ein neuer Hersteller musste gesucht werden. Die Karlsruher Feuerwehrfahrzeugbau H&E erhielt den Zuschlag. Schließlich konnte dann das neue Fahrzeug kurz vor Weihnachten 2006 abgeholt werden und im Januar 2007 offiziell an den Löschbezirk übergeben werden.
Das künftige Fahrzeugkonzept der Freiwilligen Feuerwehr Quierschied hat sich aufgrund der demographischen Bevölkerungsentwicklung nun auch grundlegend geändert. So stehen derzeit im Löschbezirk Fischbach ein LF 16/20, ein TSF und ein TSF-W zur Verfügung.
Auch die persönliche Ausrüstung der Wehrleute steht dieser Entwicklung nicht nach. Lederhelm und Wehrmachtsstahlhelm wurden durch Leichtmetallhelme und neuerdings durch Kunsthoffhelme verdrängt. Hakengurt und Sicherheitsgurt lösten
den alten Leinengurt ab. Moderne Nomex Einsatzjacken bieten unseren vorgehenden Trupps optimale Sicherheit gegen über einem sogenannten Flash-over.
Bei einem geschichtlichen Rückblick darf auch die Unterkunft der Feuerwehr nicht vergessen werden. Wo die Wehrmänner bis 1910 ihre Geräte aufbewahrten ist nicht bekannt. Damals bezogen sie das heute schon abgerissene obere Schulhaus in der Schulstrasse. Später diente das Transformatorenhaus in der Bergstrasse als Unterkunft für die Gerätschaften der Wehr. Von hier aus wanderte man in das auf dem unteren Schulhof erbaute, heute auch schon längst abgerissene, Gerätehaus. 1974 erhielt der Löschbezirk im Zuge der Ortskernsanierung in der Fischbachhalle ein neues Geräthaus und einen Schulungsraum. Dieser Schulungsraum, der im oberen Hallenbereich lag, war oft genug Stein des Anstoßes, wenn es um seine Belegung ging. Nach langem Hin und Her entschloss man sich diesen Schulungsraum, in den unteren Hallenbereich, gleich im Anschluss an die Fahrzeughallen zu verlegen. 1996 wurde dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt. Mit viel Engagement bauten die Fischbacher Kameraden ihren neuen Schulungsraum um. Mit der Erweiterung des Fuhrparks musste nun auch eine Lösung mit der Unterbringung der Fahrzeuge geschaffen wird. 1993 wurde eine Fertiggarage neben die bestehende Fahrzeughalle gestellt und 1999 wurde eine komplette Fahrzeughalle gegenüber der bestehenden Halle errichtet. Bei beiden Bauvorhaben haben die Fischbacher Kameraden den größten Teil der Baumassnahmen in eigener Regie durchgeführt.
Im Lauf von 120 Jahren hatten die „Fischbacher Feuerwehrmänner“ einige recht bemerkenswerte Brände und Einsätze zu bewältigen.
1898 brannte das Gasthaus Croissant in der Mittelstrasse vollständig aus. Aufgrund der noch fehlenden Wasserleitungen und Tragkraftspritzen, konnte das Feuer nur mit Löscheimern bekämpft werden. Kurze Zeit später wurde das Gasthaus Kraus und im Jahre 1906 die Schreinerei Lander vom Feuer heimgesucht. Der nächste Großbrand ereignete sich am 20. Oktober 1920. Acht Tage vor seiner Einweihung wurde der neu erbaute Saal des Kolpinghauses ein Raub der Flammen. Bei der Hochwasserkatastrophe1970 in Saarbrücken leisteten auch Fischbacher Wehrleute Nachbarschaftshilfe. Im April 1974 wurde die Feuerwehr zu einem 6 bis 8 Hektar
großen Waldbrand alarmiert. Auch der Brand in der Autowerkstatt Hirth im Jahre 1979 soll hier nicht fehlen; bestand dort ja noch eine zusätzliche Gefahr durch gelagerte Azetylenflaschen. Zu einem brisanten Einsatz mit leicht brennbaren und grundwassergefährdeten Flüssigkeiten wurde Fischbach 1986 nach Quierschied gerufen. Ein Tankfahrzeug mit 33.000 Liter Benzin war am Bahnhof Quierschied verunglückt. Etwa 4.000 bis 5.000 Liter Benzin waren ausgelaufen. Aber auch diesen gefährlichen Einsatz meisterten die Feuerwehr Fischbach, Quierschied, Göttelborn und die Nachbarwehren ohne personellen Schaden. Für einen weiteren Großeinsatz sorgte im Februar 1990 der Sturm Wiebke. Zahlreiche Bäume und abgedeckte Dächer hielten die Feuerwehr in Atem. Für einen tagelangen Einsatz im Wechselschichtbetrieb sorgte das Hochwasser 1993 in Saarbrücken. Fast drei Tage lang kämpften hier die Wehrleute mit den Fluten. In den jüngeren Zeit wurden die Wehrkameradinnen und -kameraden vermehrt auch zu Verkehrsunfällen alarmiert, bei denen leider auch Verletzte und Tote geborgen werden mussten.
Ein weiterer spektakulärer Einsatz war der Einsatz Anfang des Jahres 2006 im Aussiedlerheim in Camphausen. Hierbei mussten über 30 Personen auf schnellst möglichem Weg aus dem Gebäude evakuiert werde. Dies geschah mittels Drehleiter, Sprungretter und vorgehende Trupps.
Auch das „Jahrhunderthochwasser“ am 03.07.2009 stellte die Feuerwehr schwer auf die Probe. Sintflutartige Regenfälle ließen die Waldparkanlage zu einem einzigen See anschwellen.
Zwischendurch wurde die Feuerwehr immer wieder zu kleineren Bränden und technischen Hilfeleistungen gerufen. Dank der Einsatzfreudigkeit und der guten Ausrüstung der Wehr, sowie einer gut funktionierenden Alarmierung, konnte bis heute noch immer größeres Unheil vermieden werden.
Auch in Sachen Nachwuchs machte man sich in Fischbach schon frühzeitig Gedanken und gründete 1966 eine Jugendfeuerwehr. Sowohl bei den aktiven Wehrkameradinnen und –kameraden ais auch bei der Jugendfeuerwehr findet alle 14 Tage eine Übung statt. Hier wird in Theorie und Praxis gelehrt wie man sich im Ernstfall zu verhalten hat.
Seit der Novellierung des Feuerschutzgesetzes können auch Frauen und Mädchen in die Freiwillige Feuerwehr aufgenommen werden. In dieser Richtung war der Löschbezirk Fischbach Vorreiter in der Gemeinde Quierschied, und seit Januar 2009 wurde das Eintrittsalter auf 8 Jahre herabgesetzt.
Im November 2004 entschloss man sich in Fischbach einen Förderverein für die Feuerwehr zu gründen. Der Förderverein verfolgt unter anderem das Ziel der ideellen und finanziellen Unterstützung, um dort zu helfen, wo es die Möglichkeiten und Mindestpflichten der Kommune übersteigt. Neben der Beschaffung von zusätzlichen Geräten unterstützt der Förderverein auch die Jugendfeuerwehr. Solche Aktionen sind aber nur möglich, wenn der Förderverein viele Mitglieder hat. Wir suchen deshalb nicht nur Frauen und Männer, die aktiven Feuerwehrdienst machen wollen, nein wir suchen auch Frauen und Männer, die unsere Arbeit durch ihre Mitgliedschaft im Förderverein finanziell unterstützen.
Der demographische Wandel geht auch an der Feuerwehr nicht einfach so vorbei. Im Jahre 2013 musste deshalb schon der Löschbezirk Göttelborn geschlossen werden, die Kameradinnen und Kameraden der beiden anderen Löschbezirken übernehmen in Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr Merchweiler nun diese Aufgaben.
In einem Rückblick sollte man auch an die gefallenen und verstorbenen Kameraden denken und ihr Andenken in Ehre halten.
Sollte es noch mehr junge Menschen geben, die an einer feuerwehrtechnischen Ausbildung interessiert sind, die den ehrenamtlichen Dienst für ihre Mitmenschen schätzen, so mögen sie sich bei uns melden.
Durch ihre Einsatzschlagkraft und Pflichtauffassung wird die „Fischbacher Feuerwehr“ auch in Zukunft stets bemüht sein, das Leben, die Gesundheit, das Hab und Gut ihrer Mitmenschen bestens zu schützen, getreu ihrem Wahlspruch:
Gott zu Ehr – dem Nächsten zur Wehr
Neues Fahrzeugkonzept des Löschbezirkes Fischbach-Camphausen:
– LF 20/16
– TSF-W
– TSF