Geschichte des Löschbezirks Quierschied

Nachdem der Ort 1900 eine Wasserleitung erhalten hatte, fanden sich engagierte Männer unter Leitung des Maschinensteigers Nikolaus Schneider (s. Foto) zusammen und gründeten im Juni 1901 im Gasthaus Kessler im  Grubenweg die Freiwillige Feuerwehr. Schneider wurde zum Oberbrandmeister ernannt und war gleichzeitig Wehrführer. Der Fleischbeschauer Peter Martin war Brandmeister, Notariatssekretär Jakob Müller erster Kassen- und Zeugwart.

Zu den Gründungsmitgliedern gehörten außerdem:

Baptist Bost, Rudolf Hager, Johann Helten, Franz Hewer, Michel Kaspar, Jakob Keßler, Johann Keßler, Johann Keßler-Jochum, Johann Klär, Josef Kunrath, August Martin, Johann Meiser, Johann Müller, Jakob Naumann, Johann Sänger, Nikolaus Schneider, Richard Schneider, Robert Schneider, Clemens Steinlein, Martin Steinlein, Johann Theis, Nikolaus Woll.

Die Gründung einer Feuerwehr war von den Behörden zur Pflicht gemacht worden. Es musste aber zwischen einer Pflichtfeuerwehr und einer Freiwilligen Wehr entschieden werden. Es wurden nur freie Gewerbetreibende, Handwerker und Grubenhandwerker als aktive Mitglieder akzeptiert, da die Wehr jederzeit einsatzbereit sein sollte. Nach den Statuten durften keine Wirte aufgenommen werden, um „Wirtschaftspolitik“ und „Zerwürfnisse“ zu vermeiden. Zunächst erschienen die Feuerwehrleute im Arbeitsanzug zum Dienst. Ein Jahr später übernahm die Gemeinde die Kosten für die Ausrüstung (Arbeitsbluse, Helm und Koppel) sowie die Beiträge für den Kreis-und Provinzialverband. Geübt wurde zweimal im Monat und dabei vor allem das dürftige Löschgerät geprüft und ausgebessert. Die Geräte standen im neuen Rathausschulhaus. Ihren ersten Brand hatte die neue Feuerwehr im Anwesen Ziegler in der Weiherstraße zu bekämpfen.

Die Wehr hatte guten Zuspruch; die Zahl der aktiven wurde größer. 1907 erbaute die Gemeinde am Hirtenwies Schulhaus einen Steigerturm. Die Wehr bestand damals aus zwei Löschzüge mit 63 Mann, von denen sechs in besonderen Kursen ausgebildet wurden. Im Ort waren 102 Oberflur- und vier Unterflurhydranten vorhanden.

Im August 1903 veranstalteter die Feuerwehr gemeinsam mit der Sanitätskolonne des Militärvereins unter Leitung von Doktor Sänger eine Übung. Bei dem angenommenen Unglück am Haus des Kaufmanns Baltes galten zehn Feuerwehrleute durch den Einsturz eines Giebels als verunglückt. Die Sanitätskolonne versorgte die Verletzten und brachte sie zum Hauptverbandsplatz im Schulhaus. Die gemeinsamen Übungen von Wehr und Sanitätern (heute im Roten Kreuz) finden bis auf den heutigen Tag statt. Die Kosten der Gemeinde für die Feuerwehr beliefen sich 1912 auf 685 DM.

Im ersten Weltkrieg waren viele Feuerwehrleute als Soldaten eingezogen. Für den Brandschutz stellten sich in dieser schwierigen Zeit ältere Feuerwehrleute und freiwillige Helfer zur Verfügung, sodass die Wehr funktionstüchtig blieb. Nach Kriegsende standen der Werkstattmeister Nikolaus Schneider als Oberbrandmeister, Baptist Bost als Brandmeister und Wegemeister Petry als Zeugwart an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr. In den Jahren 1926/27 hatte die Wehr wieder 60 Aktive. Fünf Oberflur-und 170 Unterflurhydranten standen für die Wasserversorgung zur Verfügung. Die Gemeinde kaufte eine Feuersirene, die die Hörner und die Kirchenglocken als Alarmierungsmöglichkeit ablöste.

Im August 1935 wurde die Amtswehr Quierschied gegründet. Sie bestand aus den Löschzügen I und II Quierschied, III Fischbach und IV Göttelborn. Erster Amtswehrführer wurde Johann Thomas, der am 1. Mai 1921 in die Feuerwehr eingetreten war. Den Löschzug Quierschied leitete Johann Fricks, Fischbach Johann Stragand und Göttelborn Johann Fries.

Ab Ende 1938 war die Feuerwehr Hilfspolizeitruppe mit der Bezeichnung „Feuerlöschpolizei“. Die Gemeinde stellte den beiden Löschzügen Quierschied einen ausgedienten Omnibus zur Verfügung, der zum Mannschaftsbus umgebaut wurde. Dem Bus konnte eine TS 8 als Spritze ausgehändigt werden. Hinzu kam 1943 ein Löschfahrzeug mit eingebauter Motorpumpe (LF15). Fahrzeuge und Geräte waren bis 1946 in der Rathausschule, danach in der Garage des Rathauses untergebracht.
Im zweiten Weltkrieg mussten die meisten Wehrleute zu den Soldaten. Mitglieder der Altersabteilung stellten sich für mögliche Einsätze und die Gerätepflege zur Verfügung. Zwischen 1941 und 1945 erfolgten in den Büchern der Wehr keinerlei Eintragungen.

Im Mai 1945, als der Krieg zu Ende war, verlangten die amerikanischen Militärbehörden eine Liste über die Stärke der Feuerwehr. Angegeben wurden 37 Aktive und 19 Männer der Altersabteilung. Bis Oktober des gleichen Jahres waren mehrere Wehrmänner aus dem Krieg zurück, so dass 52 Mann gemeldet wurden. 1946 verfügte die Militärbehörde eine Reduzierung der Mannschaft stärker von damals 65 auf 45 Mann.

Nach dem zweiten Weltkrieg begann der Wiederaufbau der Feuerwehr. Die Form der Amtswehr wurde beibehalten: Johann Thomas übernahm wieder die Wehrführung. Erst in den Jahren 1949-1952 war es der Gemeinde möglich, die vorhandenen Geräte instandsetzen zu lassen und die persönlichen Ausrüstungsgegenstände zu vervollständigen. Für die Amtswehr wurden aufgewendet: 750.000 Franken 1951 und 1,217 Millionen Franken 1952.

Die Modernisierung der Feuerwehr machte gute Fortschritte, bald reichte die Rathausgarage nicht mehr aus, um Fahrzeuge und Geräte unterzubringen.

Die Gemeinde baute deshalb ein Feuerwehrgerätehaus im Eisengraben, dass im August 1955 seiner Bestimmung übergeben wurde.

1958 wurde ein Tanklöschfahrzeug (TLF16) gekauft, und zwei Jahre später die mechanische Schiebeleiter mit Handzug durch eine moderne Drehleiter (DL 18) ersetzt, 1963/64 kamen ein Löschfahrzeug (LF8) und ein Jeep dazu. 1962 fand die Gründung einer Jugendwehr statt. Sie hatte zum Ziel bereits 12-bis 16-jährige für den späteren Aktiven Wehrdienst vorzubereiten.

Durch den Erlass einer Feuerschutzordnung für die Feuerwehr des Amtes Quierschied wurde im Oktober 1968 den bisherigen Löschzügen der Status einer Wehr anerkannt. Brandmeister Paul Eydt war der erste Wehrführer. Eine weitere Neuorganisation gab es 1974 im Zusammenhang mit der Gebiets-und Verwaltungsreform. Das führte dazu, dass die Feuerwehr der vormals selbstständigen Gemeinde Quierschied, Fischbach und Göttelborn Löschbezirke wurden und zusammen die Freiwillige Feuerwehr Quierschied bildeten. Bereits 1972 hatte der Gemeinderat die Umstellung der Feueralarmanlage auf Funk beschlossen. Die Kosten von 21.000 DM wurden aus der Feuerschutzsteuer, von der VSE und durch einen Gemeindezuschuss gedeckt.

Die wachsende Mannschaftsstärke der Wehr machte den Anbau eines Schulungsraums an das Feuerwehrgerätehaus erforderlich. Im Mai 1975 wurde der Anbau der Wehr übergeben. Bei der Feier aus diesem Anlass stellte sich der neue Fanfarenzug der Feuerwehr der Öffentlichkeit vor.

Die technische Ausstattung der Wehr wurde laufend verbessert. 1977 ersetzte die Gemeinde den Jeep und 1979 das TLF 16 durch einen Mannschaftstransportwagen und ein modernes Tanklöschfahrzeug TLF 16. 1982 wurde ein VRW (Vorausrüstwagen für technische Einsätze)  angeschafft, 1987 ein LF 8 und 1985 eine moderne Drehleiter DL 16-4.

Die Ausstattung der Feuerwehr wurde über die Jahre ständig ausgebaut und verbessert. So verfügt der Löschbezirk Quierschied über folgende Ausstattung:

Kommandowagen, Drehleiter (DLAK18-12), Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF 20-20), Löschgruppenfahrzeug (LF16-12), Löschgruppenfahrzeug (LF8), Mehrzweckfahrzeug (MZF), Mannschaftstransportfahrzeug (MTF), 2 Feuerwehranhänger (FW-A)

Aufgrund des Strukturwandels wurde der Löschbezirk Göttelborn im Jahre 2011 wegen Mangels an Mitgliedern geschlossen. Den Brandschutz im Gemeindebezirk Göttelborn übernehmen seither die beiden Löschbezirke Quierschied und Fischbach. Bei größeren Einsatzlagen in Göttelborn unterstützt die Feuerwehr Merchweiler mit den Löschbezirken Merchweiler und Wemmetsweiler.

 

Fotohinweis: Rainer W.Müller/ Dieter Staerk (Quierschiedbuch zur 1000 Jahrfeier)